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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alarmanlage selber bauen



Frank1980
02.02.2011, 11:35
Ich habe mich in letzter zeit über das Thema Alarmanlagen informiert. Natürlich gibt es da die unterschiedlichsten Methoden. Ich fand eine von der Firma Bublitz ganz gut, die über den Schall funktioniert. mit ca. 3000 Euro aber ganz schön teuer. Außerdem muss wegen diesem Schall jede Zimmertür immer mindestens einen Spalt geöffnet sein. Meine Kellertür möchte ich aber auch ganz gerne mal schließen :-)

Habt ihr Erfahrungen mit Alarmanlagen oder kann man sich die sogar irgendwie selber bauen? Im Endeffekt können die Einbrecher ja nur über die Fenster oder die Türen rein (ich nehme mal nicht an, dass sie ein Loch in die Mauer hauen :o

Von daher muss man eigentlich nur diese Teile irgendwie absichern und mit einer Sirene auf dem Dach koppeln. Wie würdet ihr da vorgehen und wie kann ich verhindern dass der Einbrecher einfach nur ein Kabel durchschneidet und die Alarmanlage damit außer Kraft gesetzt ist?

Nebenfrage: Gibt es eigentlich auch spezielle Alarm-Lösungen für Garagen? Da habe ich bis jetzt nämlich noch nie etwas von gehört.....

Hein
02.02.2011, 13:30
Prinzipiell unterscheidest du zwischen Aussenhaut- und Innenraumüberwachung. Beide habe ihre Berechtigung und Vor-und Nachteile. Zusammen ergeben sie dann eine sehr sinnvolle Kombination.
Wenn die Aussenhaut, also hauptsächlich Fenster und Türen, überwacht wird, löst die Alarmanlage bei einer Öffnung oder Zerstörung derselben aus. Gibt es eine Schwachstelle, kann sich ein Einbrecher aber ungehindert und unentdeckt austoben.
Eine Innenraumüberwachung löst erst aus, wenn der Einbrecher schon im Haus ist. Er kann dann also schnell etwas greifen oder zerstören und ist dann wieder weg.
Erst die Kombination ergibt also eine vernünftige Sicherung.

Es gibt verschiedene Systeme, mit diversen Schaltmöglichkeiten, Anzahl der möglichen Schleifen, Telefonwahlgerät usw.
Eine Schleife ist immer ein Stromkreis, an dem mehrere Alarmauslöser hängen können. So können zB. mehrere Fenster einer Ebene an einer Schleife hängen, abhängig von der Bauweise der Auslöser. Wenn du eine Schleife mit mehreren Reedkontakten, dass sind Schalter, welche von einem beweglichen Magneten geschaltet werden können, belegst, ist es egal, welcher Schalter geöffnet wird. Der Alarm wird durch die Unterbrechung des permanten Stroms ausgelöst. So ist eine einfache Durchtrennung des Kabels nicht möglich. Falls nun jemand auf die Idee kommt, das Kabel an der geplanten Schnittstelle einfach zu überbrücken, verändert er den elektrischen Widerstand. Vernünftige Anlagen überwachen aber auch diesen. Und geben dann Alarm.

Bei der Innenraumüberwachung gibt es (Ultra)schallsysteme und Infrarotsysteme. Da gibt es auch verschiedene Vor- und Nachteile. So haben es Infrarotmelder z.B. bei Heizkörpern schwer.

Man kann so eine Anlage prinzipiell selber installieren. Allerdings sollte man soviel Ahnung von Elektrik haben, dass man den Unterschied zwischen Parallel- und Serienschaltung kennt und auch einen Widerstand messen und berechnen kann.
Einfachere Anlagen sollte jeder einigermaßen Begabte aber installieren können. Ob es geht, erkennt man dann beim Studium der Einbauanleitung. Die sollte man sich also vor dem Kauf ansehen.
Gruß
Hein

Vergessen: Eine Garage wird genauso überwacht wie ein Haus oder eine Wohnung. Einfach eine Schleife hinlegen.

Frank1980
02.02.2011, 14:51
Hallo Hein,

vielen dank, das war wohl die beste und zusammenfassendste Antwort zum Thema Alarmanlagen die ich je gelesen habe!!!!!

Eine letzte Frage habe ich: Kannst Du irgendwelche Marken oder so empfehlen oder soll ich mir einfach sowas von Conrad kaufen? und dann selbst einbauen?

Ich werde mich dann im Frühjahr wohl mal an dieses Projekt begeben.

Vorab jetzt aber schon vielen Dank - Auch wenn Deine Empfehlung für "Aussenhaut- und Innenraumüberwachung" teurer klingt als ich erhofft hatte.... :mad: Unter 2500 Euro kommt man da sicherlich nicht weg, oder?


Frank

Hein
02.02.2011, 18:45
Na, so ganz umfassend war das ja noch nicht. Nur ein erster Überblick. Wenn möglich (nicht notwendigerweise), sollte die Anlage die EN 50 13 1 Klasse/Grad 2 erfüllen.
Das entspricht einem niedrigen bis mittleren Risiko und ist vergleichbar mit dem VDS Grad A für Alarmanlagen.
Ausserdem sollte die Anlage mehrere unterschiedliche Alarmmeldungen (mindestens zwei) absetzen können. Einmal für Einbruch und einmal für Feuer. Viele Anlagen können heute aber sehr viel mehr. Mit den entsprechenden Sensoren (Rauchmelder, Feuermelder) kannst du dann auch gleich eine Brandmeldanlage dein eigen nennen.
Nun muss ich dann wohl auch noch die Funk-Alarmanlagen nennen. Da gibt es natürlich auch sehr gute und ausgereifte Systeme. Allerdings muss bei denen dann bei vielen Bauteilen alle zwei bis drei Jahre eine Batterie gewechselt werden. Das finde ich persönlich nicht so prickelnd. Man spart sich die Verkabelung und zahlt diese dann in Batterien - Die auch noch die Umwelt stärker belasten. Wo es gar nicht anders geht, mag es aber eine Alternative sein.
Wenn du bei einer Fachfirma anfragst, bist du wahrscheinlich in sehr guten Händen. Das musst du aber auch teuer bezahlen. Die machen dir dann eine Analyse deines Objektes, schlagen dir verschiedene Möglichkeiten vor und bei dem Preis wirst du dann abwinken..... Und es doch selber machen.
Schau lieber noch mal durchs Netz und suche dir passende Seiten. In vielen Foren wirst du da auch noch speziellere Informationen finden.

Manche Sachen muss man einfach vorher durchdenken. Z.B. die Alarmaufschaltung: Wen ruft die Anlage an? Dein Handy? Und was ist mit der Mailbox? Kann die Anlage, wenn niemand den Anruf bestätigt (per Tastenfolge quittiert) andere Nummern wählen? Was machst du,wenn die Anlage losgeht? Hinfahren und den Helden spielen?
Einfach auf die Notrufnummer der Polizei legen darfst du auch nicht. Außerdem bezahlst du dann bei jedem Fehlalarm den Einsatz.
Dann lieber auf einen Wachschutz zurückgreifen, auch wenn das eine geringe monatliche Gebühr kostet. Oder auf den Nachbarn vertrauen, der den Aussenalarm hört, die Blitzleuchte sieht und dann die Polizei ruft. Dann kostet der Einsatz nichts. Er kann ja nicht wissen, dass es sich um einen Fehlalarm handel könnte.
Eine sehr gute Anlage wird mit allen möglichen Teilen und Verdrahtung wohl gut unter 1000 T€ bleiben. Wenn man sie selbst installiert.
Schau dich um, was es für Teile gibt, ob die zu deinen Anforderungen passen, ob die Anschlusswerte passend sind und auch zu deiner Alarmanlage passen.
Es gibt Glasbruchmelder, Reedkontakte (für Fenster und Türen), PIR (Passiv Infra Rot) Melder, elektronische Codeschlösser, Schaltschlösser für den Türeinbau, Kennkartenschlösser mit RFID (Radio Frequency Identification) Chips,, Erschütterungssensoren, usw. usf.
Also alle möglichen Bauteile, mit denen man sich auseinandersetzen sollte.

Zum Abschluss empfehle ich dir noch die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle. Die gibt es in fast jedem größeren Ort. Nach telefonischer Terminabsprache wird dir da alles mögliche an passiver Sicherheit gezeigt. Das ist häufig wertvoller, als eine Alarmanlage und die Beratung ist kostenlos.

Erst alles zusammen gibt dir die maximale Sicherheit mit minimalstem Aufwand. Am wichtigsten aber sind die Informationen.

Gruß
Hein

Hobla
02.02.2011, 21:57
@ Hein: meine ehrliche Hochachtung für deine Antwort(en). Könnte sich mal macher Fachman ein Ecke abknacken = (hehe - war eine echt gute Werbung - Schweiz Berge - kannst dich erinnern?).

Meinst du: man kann so ein Ding einfach mal bauen? Ist das echt so "einfach"? ;-)

Hein
02.02.2011, 23:09
Lecker sind die immer noch! Danke, aber Fachmann bin ich nicht.... ;)

Ja, wenn man sich etwas reindenken kann und etwas Elektrik beherrscht geht das recht einfach. Heute sind in den Beschreibungen der einzelnen Teile (Bewegungsmelder usw.) meist detaillierte Beschreibungen dabei. Auch, wie man Fehler bei der Anbringung vermeidet. Auf jeden Fall bei den Teilen, die ich so kenne.
Und in jedem gutsortierten Elektroladen bekommst du mittlerweile auch Qualitätsalarmanlagen. Du willst ja wohl kein Museum mit Zertifikatsalarmanlagen ausstatten, sondern "normalbegabte" Einbrecher aus der Bude halten.

Übrigens sind Bewegungsmelder mit Beleuchtung außen auch schon ein gutes Mittel der Abschreckung. Schließlich will so jemand ja nicht gesehen werden.
Mittlerweile ist es auch kein Problem mehr, mit Internetflatrate per Fernkamera sein Ferienhaus zu überwachen. Dazu braucht man noch nicht mal einen Computer, das machen die IP-Kameras alleine.
Sobald die Kamera eine Bewegung aufzeichnet (da wird das letzte Bild mit dem neuen Bild bezüglich Veränderungen verglichen) gibt es einen Alarm über das Netz und eine SMS auf das Handy.
Gruß
Hein

Frank1980
03.02.2011, 09:16
Vielen Dank, echt super viele gute Tipps. Das mit der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle werde ich auf jeden Fall mal machen. Und das mit der IP-Kamera klingt auch ganz cool. So habe ich wenigstens direkt auf Bild und einen Beweis wer sich da an meinen Sachen zu schaffen macht.... Nur das mit dem Feuermelder ist leider zu spät, da ich mir gerade 6 Feuermelder besorgt habe, die untereinander vernetzt sind, aber nicht mit anderen Geräten kompatibel sind. Also wenn das Haus brennt werde ich nicht per SMS informiert. Auf die Idee war ich gar nicht gekommen :(

So oder so aber vielen Dank und noch einmal mein Lob an Hein, bei dem so schnell besser keiner einbrechen sollte ;-)